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BIM Software

BIM ist keine Software sondern eine Denkweise – das hört man sehr oft, wenn man sich mit diesem Thema beschäftigt. Doch ohne entsprechende Software kann diese Denkweise nicht umgesetzt werden, weswegen man sich doch eher früher als später mit der Frage nach der richtigen Sofwarelösung beschäftigen muss.

Im Zuge der virtuellen Gebäudeplanung werden unterschiedliche Fachmodelle entwickelt, i.d.R. mindestens das Architektur-, Statik- und Haustechnikmodell. Diese Modelle können unabhängig von der Software, in der sie erstellt wurden, in entsprechenden Programme (z.B. Autodesk Navisworks oder Tekla BIMsight) übereinander gelegt werden, um die Übereinstimmung oder etwaige Kollisionen zu überprüfen.

Mittlerweile gibt es sehr viele Softwarelösungen für Planer, die auf dem Prinzip von BIM basieren. Die folgende Auflistung soll einen kurzen Überblick über die führenden Programme bieten, ohne einen Anspruch auf die Vollständigkeit zu erheben.

 

BIM-SOFTWARELÖSUNGEN FÜR ARCHITEKTEN

Autodesk Revit Architecture – Für AutoCAD User, die bereits an die neuen “Ribbons” gewöhnt sind, ist der Einstieg in Revit etwas leichter, da die Benutzeroberfläche ähnlich angelegt ist. Darüber hinaus bietet Autodesk Revit Erweiterungen für Gebäudetechnik (Revit MEP) und konstruktiven Ingenieurbau (Revit Structure).
Revit Technology Corporation wurde 2002 von Autodesk gekauft (( Quelle: http://www.revit-basics.com/revithistory.html )), seitdem wird die Software unter der Dachmarke Autodesk geführt. Autodesk bringt jährlich eine neue Version heraus, die nach dem Geschäftsjahr von Autodesk benannt werden. So heißt die aktuelle Version, die im Frühjahr 2012 erschienen ist, Revit 2013.

Graphisoft ArchiCAD – ArchiCAD gibt es seit 1984, also fühlbar schon ewig, und es ist auch der größte Revit-Konkurrent. Apple Usern fällt die Wahl hier leicht: Graphisoft ist einer der wenigen Hersteller, die parallel für Windows und das Mac OS entwickeln. Ursprünglich war ArchiCAD sogar ein reines Apple Produkt. (( Quelle: http://www.archicadbimcenter.com/companies/History/ing )). Ansonsten sind die beiden Programme weitestgehend vergleichbar. Graphisoft bietet ebenfalls diverse Addons wie HKLS Modeller (Heizung/Klima/Lüftung/Sanitär/Elektro) und den EcoDesigner für Energiebedarfsanalyse. Graphisoft ist seit 1997 ein Tochterunternehmen der Nemetschek AG. Die aktuelle Version (Herbst 2012) ist ArchiCAD 16.

Nemetschek Allplan Architecture – ist nur auf dem deutschsprachigen Markt ein Begriff, in den USA ist es völlig unbekannt. Grundsätzlich ist Allplan eine solide Software und hat auch eine Reihe nützlicher Erweiterungen wie Allplan Ingenieurbau, Allplan BCM (AVA-Software) und Allplan Allfa (Facility Management). Die erste Version von Allplan ist 1984 erschienen. (( Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Allplan ))

Nemetschek Vectorworks – die klassische Apple – CAD/BIM Software, ebenfalls aus dem Haus Nemetschek. Die erste Version von Vectorworks ist 1985 als eine reine Macintosh Software erschienen und hieß  damals noch MiniCAD. Seit 1996 wurde die Software parallel für Windows und Apple entwickelt und ist seit 1999 unter dem Namen Vectorworks bekannt. (( Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Vectorworks ))

Bentley MicroStation – seit über 20 Jahren ganz vorne mit dabei. Die erste Version von MicroStation kam 1984 heraus, und wurde in den 90ern auch für Apple und Unix Systeme entwickelt. Seit 1997 ist MicroStation eine rein auf Windows basierte Software, die zur Zeit in der Version V8.i (erschienen: Ende 2008) erhältlich ist. Kleinere Updates werden regelmäßig veröffentlicht und haben nur bei wesentlichen Änderungen einen Einfluss auf die Versionsnummer. (( Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/MicroStation ))

Gehry Technologies: Digital Project – Frank Gehry setzte anfangs auf CATIA von Dassault Systemes, um seine komplexen Entwürfe umsetzen zu können. CATIA ist aus der Flugzeug- und Autoindustrie bekannt und für Architektur nur bedingt geeignet; es unterstützt allerdings komplexe Freiformen die vor 10 Jahren von kaum einer Architektur-CAD Software zu bewältigen waren. Aus diesem Grund entwickelte das Büro auf der Grundlage von CATIA v5 “Digital Project”. Mittlerweile wird Digital Project auch von anderen Büros genutzt, wie etwa von Zaha Hadid.

 

BIM-SOFTWARELÖSUNGEN FÜR TRAGWERKSPLANER

Autodesk Revit Structure – seit Revit 2013 können alle drei Module (Architecture, Structure und MEP) in einer Softwarelösung integriert werden. Dabei kann die Programmoberfläche entsprechend an das aktuell genutzte Modul angepasst werden; der Vorteil liegt allerdings darin, dass man auch problemlos auf die die Funktionen anderer Module zugreifen kann, was speziell für Gesamtplaner interessant ist.

Nemetschek Allplan Ingenieurbau – wie auch Autodesk bemühen sich andere große Softwarehersteller, eine Komplettlösung anzubeiten und entsprechende Module für Fachplaner zu entwickeln. Die Lösung für Nemetschek dürfte in erster Linie für all jene interessant sein, die bereits in Vergangenheit mit Allplan gearbeitet haben und sich daher eine vertraute Bedienung und Programmstruktur wünschen.

Tekla Structures – das Flagship-Produkt der Finnischen Softwarefirma Tekla und Nachfolger von XSteel ist die Standardlösung für den konstruktiven Ingenieurbau und wird immer mehr für Stahlbauten und Fertigteilplanung / Schal- und Bewehrungspläne eingesetzt. Tekla wurde 2011 von dem US-Amerikanischen Technologiekonzern Trimble Navigation übernommen (genauso wie ca. ein Jahr später Google SketchUp). ((Quelle: http://en.wikipedia.org/wiki/Trimble_Navigation ))

Sofistik BIM Tools – basiert auf dem auch aus den Zeiten der 2D Planung bekannten SofiCAD und ist keine Standalone Lösung an sich, sondern bietet umfangreiche Ergänzungen zu Revit Structure.

 

BIM-SOFTWARELÖSUNGEN FÜR HAUSTECHNIKFACHPLANER 

Autodesk Revit MEP – es überrascht wenig, dass Autodesk auch für die Haustechnik die passende Lösung hat. Wie auch das Structure Modul, kann auch Revit MEP seit der Version 2013 in dem Gesamtapaket zusammen mit Revit Architecture erworben werden.

Graphisoft HKLSE Modeller – erhältlich als ein reines ArchiCAD AddOn, richtet sich auch diese Lösung eher an Gesamtplaner, die in erster Linie mit ArchiCAD arbeiten und durch dieses Modul zusätzliche Werkzeuge für die Erstellung von dreidimensionalen Leitungssystemen erhalten.

 

Wenn Sie eine aufgeführte (oder nicht aufgeführte) Softwarelösung benutzen, Ergänzungen oder andere Anregungen haben, freue ich mich über Ihr Kommentar!
Eine vollständige Liste mit Softwareprodukten mit integrierter IFC-Schnittstelle finden Sie auf der Seite von BuildingSMART.

Eindrücke vom 9. BIM Anwendertag

Der 9. BIM Anwendertag, organisiert jährlich von buildingSMART, fand am 24. Mai 2012 im Fraunhofer InHaus Zentrum in Duisburg statt und wurde dieses Jahr von der Hochtief ViCon unterstützt. Zwischen 10 und 17 Uhr stellten Spezialisten aus allen Bereichen der Bauwirtschaft ihre Erfahrungen mit Building Information Modeling vor. Neben vielen interessanten Gedanken und Anregungen war am Ende unter dem Strich eines klar: Deutschland hat noch einen langen Weg vor sich.

Gleich zum Anfang wurde die Entscheidung der britischen Regierung erwähnt, ab 2016 BIM als Pflicht für alle öffentlich beauftragte Projekte über 5 Mio € einzuführen.
In Deutschland – im Moment undenkbar. Die Vorträge sowie die anschließenden Diskussionen zeigen genauer, warum.

Im ersten Vortragsblock berichtete Dirk Schaper, Geschäftsführer der Hochtief ViCon, über den großen Erfolg von BIM im Nahen Osten. Hochtief ViCon ist ein softwareunabhängiger BIM-Berater, der sich auf kundenspezifische Systemintegration spezialisiert hat. Ein BIM-gestütztes Produktionssystem, bei dem alle Änderungen im gesamten Projektablauf in einer zentralen Datenbank abgeglichen werden, hätte bei richtiger Pflege den Berliner Flughafen vor dem großen Debakel bewahren können – dieser Punkt wird übrigens auch von anderen Vortragenden immer wieder aufgegriffen und bestätigt. Da der Grund für die Fertigstellungsverzögerung des Berliner Flughafens in erster Linie in inkonsistenter Planung zu liegen scheint, ist dieser Verdacht naheliegend. Doch für mich stellt sich die Frage, wie es sein kann, dass während in Deutschland ansässige Unternehmen wie die Hochtief ViCon Großprojekte in Qatar erfolgreich betreuen, der Berliner Flughafen hingegen offenbar ohne richtiges BIM-Management zu einem Desaster wird? Kompetenz scheinen wir ja in diesem Land genügend zu haben, aber was nützt sie uns, wenn wir sie in erster Linie exportieren und “zu Hause” wie vor 20 Jahren bauen?
Die von Herrn Schaper vorgestellte mobile Dateneingabe für Abnahmen oder Fotodokumentationen, die auf der Baustelle über das iPad durchgeführt und automatisch mit dem zentralen Datenserver synchronisiert wird, zeigt auch nochmal sehr deutlich, dass der BIM-Ansatz nicht nur die Denkweise sondern auch das Ablagesystem fundamental verändert und nach erfolgreicher Umstellung auch wesentlich vereinfacht.
Wie auch jede andere größere Umstellung erfordert allerdings auch diese einen “Dirigenten” – in diesem Fall den BIM-Manager, der als Systemintegrator dafür sorgt, dass alle Vorteile des integrierten Datenmanagements auch genutzt werden. Diese Unterstützung reicht von Schulung der Mitarbeiter über Festlegung der Inhalte und Prozessdefinition bis hin zur Datenprüfung.

Im zweiten Vorlesungsblock erläuterte Mirjam Borowietz von der ZWP Berlin anhand des Musterprojekts Gesundheitscampus NRW, das mit dem Architekturbüro Léon Wohlhage Wernik durchgeführt wurde, den Einsatz von BIM für die Planung der Technischen Gebäudeausrüstung sowie den Datenaustausch über das IFC-Format in der Praxis. Bekannterweise gibt es keine “universale BIM-Software”, die alle Planungsbereiche abdeckt; zudem kann in der Praxis nicht davon ausgegangen werden, dass alle Planungspartner die Software des gleichen Herstellers einsetzen. Dies macht es besonders wichtig, das IFC-Format weiter zu entwickeln und dafür zu sorgen, dass der Datenaustausch der komplexen Gebäudemodelle zuverlässig und einfach funktioniert.
Wie von Frau Borowietz anhand des sehr anschaulichen Beispiels dargestellt, funktionierte der Datenaustausch zum Ende des Projektes problemlos und der Lerneffekt war sehr wichtig für zukünftige Projekte und für alle Planungsbeteiligten. Wenn es um BIM geht, wird die Lernkurve in der Praxis oft unterschätzt – bedingt nicht nur durch neue Software sondern auch durch eine komplett neue Denkweise und noch verhältnismäßig wenig Referenzprojekte und erfahrene Anwender.

Der dritte Vortrag, der mich besonders beeindruckt hat, war der des Tiroler Baumeisters Anton Gasteiger und Gründers der b.i.m.m. GmbH – er fing seinen Vortrag mit den Worten an: “die katholische Kirche brauchte 400 Jahre, um von 2d auf 3d umzusteigen” und implizierte damit die Frage, wie lange wohl die Bauwirtschaft von 2d auf BIM brauchen wird. Herr Gasteiger ist zweifelsohne ein großer BIM-Enthusiast, der einfach ohne viel wenn und aber ins kalte Wasser gesprungen ist – und sich hervorragend an der Oberfläche hält. Sein Ansatz basiert auf dem Prinzip “what you model is what you get” und stellt sehr klar dar, dass wir eventuell etwas weniger über BIM reden und einfach mehr handeln sollten. Es ist unmöglich, alle Hürden vorherzusehen aber der Fortschritt braucht auch Mut, sich dieser Hürden anzunehmen.

Erwähnt werden sollte auf jeden Fall der Vortrag von Hans-Georg Oltmanns vom Büro Oltmanns & Part­ner und Professor an der Jade Hochschule in Oldenburg, der einige sehr interessante Denkanstöße brachte. Unter dem Motto “Wieviel Tradition verhindert Innovation” erläuterte er den Hauptgrund dafür, dass Deutschland im internationalen Vergleich auf dem BIM-Sektor noch weit im hinteren Feld liegt. Unter dem Strich kommt heraus: “Wer nichts wagt, wird nichts Neues entdecken”. Herr Oltmanns unterstrich auch nochmals die Wichtigkeit einer sauberen IFC-Schnittstelle und des BIM-Ansatzes allgemein mit der Begründung, dass Worte immer zweideutig bleiben – eine intelligentes Gebäudemodell hingegen kann nicht misinterpretiert werden.

 

Weiterführende Links:

www.baulinks.de – Bericht vom 9. BIM Anwendertag im Fraunhofer-inHaus-Zentrum

www.buildingsmart.de – Präsentationen zum Herunterladen im PDF Format

 

AUGIWorld – April 2012

Die April-Ausgabe der AUGI World (Magazin der Autodesk User Group International) mit interessanten Infos über Neuerungen bei den Autodesk 2013 Produkten wurde veröffentlicht.

Das digitale Magazin kann kostenlos über folgenden Link bezogen werden:

http://www.augi.com/augiworld/current-issue

Autodesk geht unter die Grashüpfer

Auf dem Feld des parametrischen Designs spielten bisher  im Grunde nur zwei in der Profi-Liga mit: die Grasshopper-Erweiterung für Rhino und die Bentley Generative Components. Es war nur eine Frage der Zeit, wie lange Autodesk hierbei zusieht, bevor es einen eigenen Spieler auf das Spielfeld schickt. Bald ist es nun so weit: Dr. Robert Aish, die Koryphäe hinter Generative Components, hat in den letzten vier Jahren an einer ähnlichen Lösung für Autodesk gearbeitet: diese heißt DesignScript und soll im ersten Schritt für AutoCAD verfügbar sein. (( http://aecmag.com/index.php?option=content&task=view&id=472 )) Es ist durchaus anzunehmen, dass eine Implementierung in Revit sehr bald folgen wird.

Im Moment ist kein Veröffentlichungsdatum für DesignScript kommuniziert, laut dem AEC Magazine ist aber Ende September bei der Advances in Architectural Geometry Konferenz in Paris auch ein zweitägiger DesignScript Workshop geplant. Es bleibt also abzuwarten, was DesignScript zu bieten hat und v.A.wie gelungen die Integration in den Autodesk Produkten ist. Bei der derzeitigen Verbreitung von AutoCAD und Revit kann man durchaus davon ausgehen, dass AutoCAD sehr gute Chancen hat, unter den TOP3 im parametrischen Design mitzuspielen.

In der Zwischenzeit empfehle ich das Video zum DesignScript in der Autodesk University (kostenlose Registrierung erforderlich).

What is BIM – Video by Graphisoft

Gerade entdeckt und für eine wunderbare Mischung aus Witz und Information befunden!